„Nach zwei Wochen sind wir zurück im Mittelalter, nach vier Wochen sind wir zurück in der Steinzeit“
― Marc Elsberg, Autor des Fakten-Thrillers „Blackout

Die Folgen und die damit verbundene Belastung eines Stromausfalls für Einzelne und die Gesellschaft sind abhängig von der Dauer und der flächenmäßigen Ausdehnung. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass diese Zusammenhänge nicht linear sind.

Wenn man als Langstreckenläufer gewohnt ist, 10 Kilometer am Stück zu laufen (was schon ganz ordentlich ist) und dann versucht, ohne weitere Vorbereitung einen Marathon mit einer Distanz von 42 Kilometern zu laufen, wird man feststellen, dass es weit mehr als vier mal so anstregend ist. Wenn man es überhaupt ins Ziel schafft, ist die Gefahr groß, dass man körperliche Schäden davon trägt.

Ähnlich verhält es sich mit einem Blackout. Ein Stromausfall, der sich nur auf einen Stadtteil erstreckt, so wie im Februar 2019 in Berlin passiert, mag zwar unangenehm sein, aber im Vergleich zu einem großflächigen, beispielsweise europaweiten Stromausfall war das ganze – mit Verlaub! – ein Witz. Man brauchte nur ein paar Kilometer zu gehen, oder zu fahren und bekam wieder alles, was das Herz begehrte, wie Lebensmittel, Benzin und ärztliche Versorgung.

Ein großflächiger Stromausfall, der sich auf Deutschland oder gar ganz Europa erstreckt, hat eine ganz andere Qualität. Man kann nirgendwohin ausweichen. Trotzdem sehe ich selbst einen dreitägigen großflächigen Stromausfall noch nicht als großes Problem. Der menschliche Körper kann selbst drei Wochen ohne Nahrung überleben und jeder hat irgendetwas zu trinken zu Hause: Wasser, Orangensaft, Milch, Bier, Wein. Selbst die Naivsten kommen vermutlich mit einem knurrenden Magen davon.

Zwei Wochen großflächiger Blackout ist bei weitem nicht viermal so hart wie ein dreitägiger Blackout, sondern um das hundert bis vielleicht tausendfache härter. Warum eigentlich?

Da selbst den Rettungskräften und der Polizei der Kraftstoff ausgegangen sein wird, kann es zu Bränden, Plünderungen und generell anarchistischen Zuständen kommen. Lieferketten werden unterbrochen und kritische Infrastruktur nachhaltig beschädigt, so dass es Wochen und Monate dauern kann, bis so etwas wie ein Normalzustand wieder hergestellt ist. Ein Kernkraftwerk muss auch im Blackout-Fall gekühlt werden, sonst droht eine Kernschmelze mit Super-GAU. Wusstest Du, dass die Notstromaggregate, welche die Kühlmittelpumpen von Kernkraftwerken versorgen, auf maximal eine Woche ausgelegt sind? Tritt der Blackout in einem Winter ein (was durchaus wahrscheinlicher ist, als im Sommer), werden ohne Heizung Wasserleitungen und Heizungsrohre vereisen und platzen, so dass Produktionsstätten eventuell monatelang lahmgelegt sein können.

Lokal begrenzte oder auf maximal drei Tage beschränkte, selbst großflächige Stromausfälle können sehr viel Leid über die betroffenen Menschen bringen, aber es ist weder ein Zusammenbruch der Infrastruktur noch der menschlichen Gesellschaft zu befürchten.

Wenn ich also von „Blackout“ in diesem Ratgeber spreche, meine ich einen großflächigen, drei Tage übersteigenden Stromausfall. Obwohl ich es uns wünsche, dass wir eine derartige Situation nie erleben müssen, sollte unser Motto stets sein: „Hope for the best but prepare for the worst“.